Definition und Abgrenzung
Im deutschen Sprachgebrauch und in der Fachterminologie der Wasserwirtschaft bezeichnet der Begriff Grauwasser (englisch: greywater) das wenig belastete häusliche Abwasser, das aus Dusche, Badewanne und Handwaschbecken stammt. Es enthält keine Fäkalien und ist damit deutlich weniger belastet als das sogenannte Schwarzwasser, das Toilettenabwasser und ggf. Küchenabwasser umfasst.
Küchenabwasser wird in der Fachliteratur unterschiedlich eingestuft: Es kann aufgrund des hohen Fett- und Organikanteils (Speisereste, Spülmittel) eigene Anforderungen an die Behandlung stellen und wird manchmal separat betrachtet.
Quellen von Grauwasser im Haushalt
- Dusche und Badewanne: Hauptanteil des Grauwassers; enthält Körperpflegeprodukte, Haare, Hautpartikel
- Handwaschbecken: Seife, Kosmetika, geringe organische Belastung
- Waschmaschine: Tenside, Waschmittelrückstände (je nach Einordnung)
- Küche: oft separat betrachtet wegen hohem Fett- und Speiserestanteil
Zusammensetzung und Belastungsgrad
Grauwasser enthält organische Substanzen, Tenside aus Reinigungsprodukten, Körperpflegemittel und geringe Mengen Mikroorganismen. Der biochemische Sauerstoffbedarf (BSB5) liegt deutlich niedriger als bei Schwarzwasser. Die genaue Zusammensetzung variiert je nach Lebensgewohnheiten, verwendeten Reinigungsmitteln und technischer Herkunft des Wassers.
Pathogene Keime kommen in Grauwasser vor, allerdings in weitaus geringerer Konzentration als in Toilettenabwasser. Das Risiko hängt unter anderem davon ab, ob das Wasser von erkrankten Personen stammt und wie lange es gespeichert wird. Stehendes, ungeklärtes Grauwasser kann innerhalb von Stunden zu einer starken Keimvermehrung führen.
Speichertank für Regenwasser – ähnliche Systeme werden auch für die Grauwasserspeicherung eingesetzt. Foto: Wikimedia Commons.
Nutzungspotenzial
Aufbereitetes Grauwasser kann für verschiedene Zwecke eingesetzt werden, bei denen keine Trinkwasserqualität erforderlich ist:
- Toilettenspülung
- Gartenbewässerung (je nach Aufbereitungsgrad und Pflanzenart)
- Reinigung von Außenflächen und Fahrzeugen
- Gewerbliche Reinigungszwecke in bestimmten Branchen
Nicht geeignet ist unbehandeltes oder nur grob vorgereinigtes Grauwasser für die direkte Nutzung in der Nähe von Gemüsekulturen, die roh verzehrt werden. Hier sind die Anforderungen an die Aufbereitung und den Nachweis der hygienischen Unbedenklichkeit höher.
Unterschied zu Regenwassernutzung
Regenwassernutzung und Grauwassernutzung sind technisch verwandte, aber nicht identische Konzepte. Regenwasser fällt dezentral auf Dachflächen an und wird gesammelt; Grauwasser wird aus dem häuslichen Wassersystem abgezweigt. Beide Systeme erfordern eine von der Trinkwasserleitung getrennte Hausinstallation, um eine Vermischung mit dem Trinkwassernetz zu verhindern.
Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) hat Merkblätter zu beiden Themen veröffentlicht, die technische Anforderungen und Planungshinweise enthalten.
Quellen und weiterführende Informationen
- Umweltbundesamt – Abwasser und Wassernutzung
- DWA – Merkblätter zur Abwasserbehandlung
- DIN 1989: Regenwassernutzungsanlagen (enthält Hinweise zur Systemtrennung)